




 |
Presse
Walliser Bote, Freitag, 5. Oktober 2001 Symbiose
von Musik und Lyrik
Dem zweiten Abend im Rahmen der Rilke-Triade
war grosser Erfolg beschieden.
Raron. – Am letzten Samstag ging in der Burgkirche
der zweite Rilke-Abend über die Bühne. Das Konzept des Abends, lyrische
Vorträge aus Rilkes Werk, kombiniert mit einfühlsamer Orgelmusik, kam
beim Publikum ausgezeichnet an. Die Organisatoren, die Kulturkommission
Raron, waren ob der stattlichen Besucherzahl von 115 Personen hocherfreut.
 |
|
Gelungener
Dialog Lyrik/Orgelmusik
Nach einer kurzen Einführung in Leben und Werk des Dichters trug die
Schauspielerin Susan Muhlack ihre Produktion “Ich wollt’ wie Orpheus
singen” mit ihrer ruhigen Art und grossen Ausstrahlungskraft gekonnt
vor. Auszüge aus seinen früheren Arbeiten fehlten ebenso wenig wie
jene aus seiner reifen Schaffensperiode. Ausdrucksmomente von Hochgefühl
wechselten mit Verzweiflung und Läuterung ab, stille Passagen wurden
von energischen Texten abgelöst. Besondere Stille und tiefe Besinnlichkeit
herrschte bei der Gedichtserie “Herbst”. Die Burgkirche, der schöne
Herbsttag letzten Samstag und die nah gelegene Grabesstätte Rilkes
– alles passte zu diesem intensiv empfundenen Moment.
Dabei erwies sich, dass Susan Muhlack geradezu prädestiniert ist,
die Gedanken des unsteten und heimatlosen Künstlers einem Publikum
zugänglich zu machen. |
Die Texte Rilkes und die mittelalterliche Atmosphäre
der geschichtsträchtigen Burgkirchen hätten alleine schon genügt, den
Abend für alle besinnlich zu gestalten. Doch das gelungene Zusammenspiel
mit der gefühlvoll gespielten Orgelmusik machte ihn für die Besucher unvergesslich.
Der Organist, Matthias Clausen aus Raron, wählte in Absprache mit Susan
Muhlack bewusst Komponisten aus, die fast ausnahmslos Zeitgenossen von
Rilke waren. Dabei hat er auf klingende Namen verzichtet und Werke von
Vierne, Broquet, Boulay, Langlais und Pinkham gespielt. Das Stück “Postlude”
quittierte das Publikum mit spontanem Applaus.
Die gekonnt rezitierten Texte, die spielerische
Virtuosität des Organisten und die andächtige Ambiance der Burgkirche
hinterliessen einen bleibenden Eindruck bei Besuchern und Organisatoren.
Buchdorf
Geschichten und Harfenklänge
Gäste aus Berlin brachten Adventsstimmung in die Begegnungsstätte
nach Mühlbeck
Von unserer Redakteurin BRIGITTE MITTELSDORF
Mühlbeck/MZ. Der alte Hofrat ist einsam. Seine
einzige Freude sind kleine Entdeckungen in Antiquariaten am Rande der
grossen Kunst. Doch manchmal eben kann Freude auch getrübt werden. Und
sich dann doch noch erfüllen durch die unvorhergesehene Wandlung der menschlichen
Seele. „Das Weihnachtsbild“ hiess eine der Geschichten, die Susan Muhlack
in der Begegnungsstätte Mühlbeck vorlas. Sensibel begleitet von Dagmar
Flemming auf der Harfe.
Zu einem stimmungsvollen Adventsnachmittag hatte das Buchdorf Mühlbeck-Friedersdorf
eingeladen. Und die beiden Gäste aus Berlin wussten genau die richtigen
Akzente zu setzen, um eine wohltuend heitere Stimmung aufkommen zu lassen.
„Sprache und Literatur waren schon immer eine grosse Leidenschaft von
mir“, sagt Susan Muhlack. Ihr zuzuhören, ist Freude pur....Zusammen mit
Dagmar Flemming bietet sie literarisch-musikalische Veranstaltungen an.
Beide Künstlerinnen versprachen, erneut nach Mühlbeck zu kommen. Darauf
darf man sich jetzt schon freuen.
Von Mythen und Geistern und romantischen Liebesflüsterungen
Ehm Welk-Literaturmuseum: Bezaubernde und verblüffende
Wiederbegegnung mit dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe
Von Daniela Windolff
Angermünde (MOZ) Irgendwann kommt jeder in Berührung
mit dem alten Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Meist
in der Schule als halbwüchsiger Mensch, dem der Sinn nicht unbedingt nach
Faust´scher Weisheit und der Moral des Zauberlehrlings steht. Und dennoch
muss der Dichterfürst irgendeinen Zauber ausüben, dass Verse ein Leben
lang hängen bleiben, wenn auch oft nur als Fragmente.
Am Freitag Abend jedenfalls zog der alte Goethe viele Gäste ins Ehm Welk-Literaturmuseum,
das im Goethejahr den lebensdurstigen Wortkünstler ehren wollte. Zwar
waren es überwiegend Gäste in der Lebensmitte und darüber, die ihre Liebe
zu Goethe-Versen neu entdeckten, doch fehlte dem Abend nichts an Frische,
Heiterkeit und Aha- Erlebnissen.
Dafür sorgten wohl vor allem die von Susan Muhlack mit Bedacht ausgewählten
Verse und Zitate aus Goethes Werken und die interessanten Anekdoten, die
den Dichter als Menschen lebendig werden liessen....Der Erlkönig
fehlte genauso wenig wie der Zauberlehrling.
Interessant zu erfahren war, woher Wolfgang von Goetheseinen Stoff nahm,
den er zu Klassikern der Dichtkunst formte...
Kritisch mit seiner Zeit setzte sich Goethe im Gedicht "Das
Gericht" auseinander, in dem er über eine stolze und
mutige Frau berichtet, die aller öffentlichen und kirchlichen Ächtung
zum Trotz zu ihrem unehelichen Kind im Leib und ihrer verbotenen Liebe
steht.
Auch die heitere Seite Goethes kam nicht zu kurz. In seiner Ballade
"Gutmann und Gutweib" schildert er witzig pointiert
ehelichen Kleinkrieg und Listigkeit um eine nicht verschlossene Haustür.
Und was wäre Goethe ohne die Liebe? "Ich ging im Walde
so vor mich hin..." schrieb er taggenau 25 Jahre nach
der ersten Begegnung mit Christiane Vulpius – kein Naturgedicht, sondern
eine romantische Liebeserklärung.
Nach diesem Abend wird sicher in so manchem Bücherregal der Staub vom
Goethewerk geblasen. Das raunten sich jedenfalls die Besucher nach der
Veranstaltung im Ehm Welk-Literaturmuseum zu, die eine Lebensweisheit
des Dichters mit auf den Heimweg bekamen: "Wonach
soll man am Lebensende trachten? Die Welt zu kennen und sie nicht verachten."
>> Hörerstimmen
|